Bondage

Bondage  – eine fesselende Leidenschaft

Bondage oder die Kunst zu fesseln, ist für die meisten Menschen etwas, was auf die dunkle Seite der Sexualität gehört. Fesselspiele und auch Schmerzen haben nichts mit dem normalen sexuellen Empfinden zu tun und wer sich fesseln lässt oder andere Menschen fesselt, der ist schlicht und einfach nur pervers. Das ist eine sehr oberflächliche Meinung und wer so etwas behauptet, der hat sich noch nie ernsthaft mit dem Thema Bondage befasst. Wer sich aber mit diesem Thema beschäftigt, der wird sehr schnell merken, dass es viele Facetten gibt und das Bondage nichts ist, was man einfach mit einer Perversität begründen kann.

Die Lust an der Macht

Bondage heißt übersetzt Knechtschaft oder auch Unfreiheit und das ist für viele die fesselnde Spiele lieben, ein großer Anreiz das Fesseln einmal auszuprobieren. Macht über andere Menschen zu haben ist immer ein Aspekt für Bondage, wenn auch nicht der einzige Aspekt. Herrscher und Beherrschte – das sind die Hauptakteure wenn es um Bondage geht, denn derjenige der fesselt, ist in diesem Moment derjenige, der über den anderen bestimmt. Derjenige der gefesselt wird, lässt es zu beherrscht zu werden und das hat wiederum etwas mit Vertrauen zu tun. Wenn sich beide Partner über ihre Rollen in diesem Spiel einig sind, dann kann Bondage eine Erfahrung sein, die dazu beiträgt, den anderen besser zu verstehen.

Bondage ist keine Erfindung der Neuzeit

Gefesselt wurde schon immer und wer sich die Mühe macht die Geschichte des Bondage zu lesen, der wird einiges erfahren, was das Fesseln in ein ganz anderes Licht rückt.

Schon im alten Ägypten war Bondage modern und selbst Königin Kleopatra liebte es ihre Liebhaber zu fesseln. Dabei waren es nicht ihre Schönheit oder ihr Liebreiz der die Herren fesselte, sondern Stricke aus Sisal. Kleopatra genoss die Situation, wenn die Herren gefesselt zu ihren Füssen lagen. Das antike Rom war für seine Dekadenz und für seine ausschweifenden Partys bekannt und Fesselungen gehörten mit zum Vergnügen. Dabei ging es aber nicht nur um die Demonstration der Macht, sondern mehr um Kunst, denn die Damen und auch Herren ließen sich kunstvoll, meist von ihren Sklaven fesseln und unter den Fußsohlen mit Gänsedaunen kitzeln. Bekannt wurde Bondage allerdings erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts durch einen französischen Edelmann, den Marquis de Sade. Der Marquis war ein Freund der Schmerzen und liebte es, Frauen zu fesseln und dann zu schlagen. Für seine Neigung, die damals unter Strafe stand, wurde er in die Bastille von Paris geworfen und im Rahmen der französischen Revolution wieder befreit. Für ihn bedeutete das Jahr 1789 wahrscheinlich auch das Jahr der sexuellen Befreiung, denn fortan ließ er seinen Neigungen freien Raum und erfand immer ausgefallenere Fesselspiele. Dem Marquis de Sade haben wir das Wort Sadismus zu verdanken, was im Zusammenhang mit Bondage immer eine Rolle spielt. Leopold von Sacher-Masoch ist eine weitere, schillernde Person, wenn es um Bondage geht. Im Gegensatz zum Marquis de Sade hatte der österreichische Edelmann die Vorliebe, sich selbst von Frauen fesseln und schlagen zu lassen und das wiederum führte zum Begriff Masochismus.

Sadismus und Masochismus sind untrennbar mit Bondage verbunden, denn wie schon gesagt, es geht um Herrscher und Beherrschte.

BDSM – diese vier Buchstaben fallen immer wieder auf, wenn es um Bondage geht, denn sie sagen in verkürzter Form worum es beim klassischen Bondage eigentlich geht. BSDM kommt aus dem englischen Sprachgebrauch und bedeutet: Bondage and Discipline, Dominance and Submission, Sadism and Masochism. Disziplin, Dominanz, Unterwerfung, Sadismus und Masochismus, das sind die Grundgedanken beim Bondage. Wer sich auf das Fesseln einlässt, der sollte sich diese Begriffe durchlesen und dann überlegen, welche Rolle er dabei übernehmen will. Man muss kein devoter Mensch sein, um Freude daran zu finden, von einem Menschen gefesselt zu werden, der dominant ist. Auch Menschen die stark und selbstbewusst im täglichen Leben stehen, können Freude daran haben gefesselt zu werden. Auf der anderen Seite nutzen diejenigen die vielleicht im wirklichen Leben eher schüchtern und zurückhaltend sind, beim Bondage die Gelegenheit, um dominanter auftreten.

Nur für Geübte

Alle die den Reiz der Fesselung einmal ausprobieren wollen, sollten sich vorher genau informieren, denn Unfälle sind bei diesen Spielarten gerade bei Anfängern nicht selten. Keiner möchte einen Notarzt im Schlafzimmer stehen haben oder die Feuerwehr mit dem Bolzenschneider bemühen müssen, wenn etwas daneben geht. Daher ist es sinnvoll, sich vorher einige anatomische Kenntnisse anzueignen und ein wenig Fachliteratur zu studieren. Wer noch nie Bondage praktiziert hat, sollte klein und bescheiden anfangen und sich erst einmal auf Seile beschränken und keine Fesselungsinstrumente aus Edelstahl benutzen. Auch Schmerzen sollten nicht im Vordergrund stehen, sondern einfach nur die Lust daran, sich einmal “fallen” zu lassen und das prickelnde Spiel der Überraschungen zu spielen. Die wichtigste Voraussetzung beim Bondage zu zweit ist, dass der Partner oder die Partnerin auf jeden Fall immer damit einverstanden ist was passiert und wenn auch nur der kleinste Zweifel besteht, dann sollte man das Spiel sofort abbrechen.

Es gibt viele verschiedene Spielarten, wenn es um Bondage geht. Das so genannte Zweckbondage ist die am häufigsten praktizierte Form. Hier geht es vor allem darum, den anderen bewegungsunfähig zu machen, um ihn dann zu liebkosen oder zu streicheln. Übrigens, wenn die Augen dabei verbunden werden, dann kann dies das Vergnügen noch erhöhen. Auch Spanking, das Schlagen auf das nackte Hinterteil, ist beim Zweckbondage sehr beliebt. Zierbondage ist eine andere Form. Hierbei geht es weniger um Dominanz und Macht, sondern vielmehr um die Freude am kunstvollen Fesseln. Einige bevorzugen Zierbondage aber auch beim Gruppensex, wenn es darum geht, jemanden “machtlos” zusehen zu lassen, um seine Lust zu steigern. Das Folterbondage ist die wohl härteste Form und sicher nicht jedermanns Ding. Hier geht es in den meisten Fällen nur um das Erzeugen von Schmerzen. Eher selten ist das meditative Bondage, was sich an das kunstvolle asiatische Bondage anlehnt. Diese Form ist allerdings nur etwas für “Fachleute”, die viel von Bondage verstehen.

Auch wenn Dominanz, Disziplin, Unterwerfung und Macht elementare Dinge beim Bondage sind, sollte man nie vergessen, dass Fesseln und gefesselt werden auch immer sehr viel mit Vertrauen und auch mit Freude an der Sexualität zu tun haben.

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